Kira Claudi lässt die Nationalhymne erklingen

14.07.2015 19:42

Kira Claudi lässt die Nationalhymne erklingen

Ein Traum wird wahr – Kira Claudi triumphiert zum Weltcupauftakt in Kroatien und gewinnt die Goldmedaille im Rollskisprint über 180 Meter

Nach dem erfolgreichen Abschneiden beim Weltcupfinale 2014 in Val di Fiemme, wo sie im Juniorinnenbereich die erfolgreichste Athletin der Wettkämpfe war, knüpft sie nun überraschend auch im Damenbereich an diese Erfolge an und wird in Oroslavje als Sprintkönigin gefeiert.

Bereits im Prolog schockte sie als Küken die hochkarätig besetzte Damenkonkurrenz und sicherte sich mit nur sieben Tausendsteln Rückstand hinter der Weißrussin V. Kaminskaya eine gute Ausgangsposition für die darauffolgenden Finalläufe. Hochkonzentriert setzte sie von nun an ihre Siegesserie fort und ließ in keinem der weiteren Läufe jemals einen Zweifel an ihrer momentanen Sprintstärke aufkommen. Weder M. Voronina (RUS), die ehemalige Junioren-Sprintweltmeisterin, noch die schwedische Spitzenskilangläuferin Linn Soemskar hatten an diesem Tag eine Chance gegen die 20jährige Deutsche. Da die Prologführende Kaminskaya in ihrem Halbfinale an der viertplatzierten Marika Sundin (SWE) scheiterte, kam es im Finale zum Aufeinandertreffen der beiden letztjährigen Siegerinnen beim Alliansloppet, dem größten schwedischen Rollski-Event. Während Kira Claudi dort mit Streckenbestzeit über 150 Meter die Juniorenklasse dominierte, setzte sich Sundin in der Damenklasse durch. Konnte man bisher nur die Prologzeiten miteinander vergleichen, kam es nun im Damenfinale erstmals zu einem direkten Vergleich zwischen Claudi und Sundin. Die unbeschwert laufende Deutsche ließ sich auch im Finale nicht aus der Ruhe bringen, lief einem ungefährdetem Start-Ziel-Sieg entgegen und überquerte jubelnd die Ziellinie. Mit diesem überraschendem Sieg erfüllte sie sich gleich beim ersten Weltcupsprint einen langgehegten Traum – Gold  im Damenklassement! Die sich daran anschließende Flowerzeremonie, das Ertönen der Nationalhymne und das Aufziehen der deutschen Flagge konnte Kira Claudi in vollen Zügen genießen. Unmittelbar nach der Siegerehrung nahm die Banfetalerin die ersten Glückwünsche aus Deutschland entgegen. Georg Zipfel und auch Jürgen Wolf, der Direktor des Deutschen Skiverbandes, haben es sich nicht nehmen lassen, ihr für diesen sensationellen Erfolg zu gratulieren.

Bereits einen Tag zuvor überraschte Kira Claudi mit dem fünften Platz im Massenstartrennen über 10 Kilometer. Dieses Rennen wurde auf einer technisch sehr anspruchsvollen Runde im größten kroatischen Shoppingcenter, nahe von Zagreb, ausgetragen. Neben 180 Grad Kurven galt es auch die steile Rampe eines Parkhauses zu meistern, um sich auf der gegenüberliegenden Seite in eine waghalsige Abfahrt zu stürzen und eine Vielzahl von Richtungsänderungen vorzunehmen. Lange Zeit lief Kira Claudi, das Aushängeschild des deutschen Rollskisports, mit den beiden Schwedinnen Sundin und Soemskar, der Weißrussin Kaminskaya und der amtierenden Weltmeisterin Konohova aus Russland in vorderster Front. Selbstbewusst führte sie nach einem Ausreißversuch von Sundin die Verfolger wieder an die Führende heran und sprengte das Damenfeld. Leider konnte sie einer erneuten Tempoverschärfung nicht standhalten, musste Lehrgeld bezahlen und die Vier ziehen lassen. Alleine auf sich gestellt wurde sie auf der sehr windanfälligen Strecke zwei Kilometer vor dem Ziel von den Verfolgern geschluckt. Taktisch klug reihte sie sich in dieses Feld ein und attackierte im Parkhaus unmittelbar vor der Abfahrt die Konkurrenz. Mit leichtem Vorsprung bog sie schließlich auf die Zielgerade und gewann den Sprint der Verfolger, wobei unter anderem auch die Slowakin Alena Prochazkova, die im Februar bei den Nordischen Weltmeisterschaften in Falun als Achte im Sprintfinale der Frauen für Furore sorgte, das Nachsehen hatte.

Durch diese beiden tollen Ergebnisse liegt die heimische Athletin momentan in der Gesamtweltcupwertung völlig überraschend hinter der Schwedin Sundin auf dem zweiten Platz.

Niklas Bender vom SV Lützel hatte beim Massenstartrennen leider Pech, brach sich den Stock und belegte den 11. Platz. Im Sprintrennen schied er nach dem Prolog aus und wurde 17.

 

 

 

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